Vor uns die Sintflut


11.1 bis 13.4.2008
danach auf Wanderschaft
im In- und Ausland
Vor uns die Sintflut im  Speicher XI Bremen Bremen Speicher XI

Wann bekommen Sie nasse Füße?

+ 1 m Wasserstand

Bremen Zentrum - eine Insel:

+ 5 m Wasserstand

Bremen -
für Schwimmer:

+ 8 m Wasserstand

Modell Modell
Bremen unter Wasser




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"Vor uns die Sintflut"

Ausstellung im Hafenmuseum Bremen, Speicher XI

„Also wenn wir hier 'ne richtige Sturmflut kriegen, dann sind wir alle weg“, meint ein Besucher hinter mir.
Mir fällt spontan Frank Schätzing ein, „Der Schwarm“, Ende Teil 1: Da rutscht nach einer Tsunami-Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses der gesamte nördliche Kontinentalhang ab. Deutschland, Belgien, die Niederlande - komplett verschwunden.

Heute nennen wir Tsunami, was vor Jahrtausenden vielleicht eine Sintflut war. Nach den Naturkatastrophen der letzten Jahre - Tsunami in Asien, Hurrikan Katrina in New Orleans - ist längst vorstellbar, welch' ungeheure Zerstörungskraft Wasserfluten besitzen.
Die Überschwemmungen am Weserufer, bei denen das Wasser bis zum Deich hochläuft, machen beim Joggen bislang nur nasse Füsse. Aber diese Überflutungen könnten sich zur Katastrophe auswachsen, wenn Hochwasser sintflutartig in die Wesermündung drängt.

Vision "Bremedig"

Was wäre Bremen dann? Eine Stadt wie Venedig. „Bremedig“ nennen es die Ausstellungsmacher. Um Rathaus, Bürgerschaft und Roland müßten wir mit dem Boot paddeln, wie es uns ein Modell aus Styropor demonstriert.
Im Hafenmuseum bekommt man eine - zugegeben bedrohliche - Ahnung davon, wie der Klimawandel unsere Welt verändern wird. Wenn sich die Erde erwärmt, dann schmelzen die Pole, dann steigt der Meeresspiegel. Bei 11 Meter über dem Meeresspiegel ist Bremen „ertrunken“, ausgelöscht, bei nur 1 Meter plus verlagert sich die Nordseeküste auf die Linie Worpswede - Bremen - Delmenhorst - Oldenburg und Holland meldet "Land unter", baut schwimmende Städte und Straßen. Unter Beweis gestellt wird das per Mausklick (siehe Info rechts) auf einer großen Landkarte der norddeutschen Küste.

Die Apokalypse ist vorstellbar

Noch realer: Ein überdimensionales Foto von einer schmutziggrauen, brodelnden Weser - bei Hochwasser, fotografiert mit Blick auf die „Kommode“ in Bremen, das alte Wasserwerk. Kein Weg, kein Steg., nur stürmische Fluten. „Da möchte ich noch nicht mal mit dem Schlauchboot unterwegs sein“, sagt eine Besucherin, der das angstvolle Frösteln anzusehen ist. Nur sind das keine apokalyptischen Visionen, sondern realistische Perspektiven. Nicht umsonst gibt’s im Schöpfwerk Wasserhorst den Spruch:

Woter is Segen, Woter is Not Lot us den Segen, wohr uns vor Not

Mythen und Legenden

Große Fluten bedrohten Norddeutschland schon immer - auch dies dokumentiert die Ausstellung. Zum Beispiel die vierthöchste Flut in Bremen am 9. November 2007. Die liegt gerade hinter uns - haben wir das überhaupt registriert?
Biblische Sintflut, Mythen, Legenden und vor allem die Ängste der Menschen, die sich um Flut und Sintflut ranken, archäologische Forschungen, geologische Analysen, die Wüsten der Erde und wie sie entstanden sein könnten: Die Ausstellung erklärt das Phänomen Sintflut auf zahlreichen Text-, Bild- und Grafiktafeln aus ganz unterschiedlichen Perspektiven - naturwissenschaftlich, meteorologisch, religionswissenschaftlich, kulturhistorisch. Die Informationen sind klar, verständlich, sachlich aufbereitet und immer auch beunruhigend. Denn heutige Fluten sind ohne Frage von der Zivilisation, also vom Menschen gemacht.

Zauberlehrling anno 2008

„Eine große Sache für ein kleines Museum“ nannte Initiator Klaus Hübotter das Projekt zur Eröffnung. Wohl wahr. Und für den Betrachter eine Übung in Konzentration. Denn diese Ausstellung muß man sich erarbeiten - mit Ruhe, Aufmerksamkeit, Geduld und manchem Schauer, der einem angesichts der Zukunftsvisionen über den Rücken läuft.
Als wäre man Goethes Zauberlehrling anno 2008 .......
..... und das Wasser nicht mehr zu bändigen ......

(Christiane Schwalbe)