
Deutsches Auswandererhaus in Bremerhaven
Columbusstraße 65
27568 Bremerhaven
Tel.: 0471 90220-0
"European Museum
of the Year 2007"
Sonderausstellung:
"Nach Buenos Aires!"
Deutsche Auswanderer und Flüchtlinge im 20. Jahrhundert
2772
Im Wartesaal beginnt für die Auswanderer der Traum vom besseren Leben. Angesichts steigender Auswandererzahlen entschloss sich der Norddeutsche Lloyd 1869 zum Bau der Wartehalle (heute das Gelände vom Zoo am Meer), um den Menschen mehr Schutz zu geben. Hier drin hat wenigstens ein eiserner Kanonenofen ein bisschen gewärmt. Vorher mussten sie bei Wind und Wetter draußen ausharren, bis sie an Bord gehen konnten.
In der kargen Wartehalle im Deutschen Auswandererhaus beginnt der Rundgang. Hier werden die Besucher eingestimmt auf die Abfahrt, hier warnt die Polizeidirektion vor Taschendieben und Bauernfängern. Über eine steile Treppe gelangt man zur Kaje.
Im hohen, dämmrigen Raum voller realer Geräusche stehen die Auswanderer dicht gedrängt, lebensgroße Puppen in Mantel, Schals und wollenen Tüchern. Sie tragen die typische Kleidung der jeweiligen Auswandererepoche und kommen aus ganz Europa - neben sich Überseekisten, Körbe, Taschen und Koffer. Vor sich die mächtige Bordwand des Dampfschiffs.
Der Passagierdampfer "Bremen" steht kurz vor der Abfahrt. Bunte Luftschlangen wehen im Wind: Das eine Ende halten an der Reling lehnende Auswanderer, das andere Ende die auf der Kaje stehende Verwandten und Freunde. Sobald das Schiff losfährt, werden sich die Papierschlangen straffen und irgendwann reißen ... Eine Kapelle spielt 'Muss i denn, muss i denn, zum Städtele hinaus...' (Das Buch zum Deutschen Auswandererhaus)
Auf Knopfdruck erzählen die Auswanderer, wie ihnen zumute ist, woher sie kommen, was sie erhoffen, welches Heimweh sie quält. Persönliche Biografien begleiten den Besucher auf der Eintrittskarte, dem "Boarding Pass". Mit dieser iCard lassen sich elektronisch überall Informationen abrufen.
In der "Galerie der sieben Millionen" locken Hunderte von kleinen und großen Schubladen zum Aufziehen. Drinnen sind Informationen über die individuellen Lebenswege und Schicksale der Auswanderer gesammelt, 2000 Biografien, dazu Erinnerungsstücke, Fotos, Briefe, Pässe, Dokumente.
In zahlreichen Hörbuchten werden historische Hintergründe der unterschiedlichen Auswanderungswellen erläutert - von 1830 bis 1974, als das letzte Auswandererschiff in Bremerhaven ablegte. In der Regel waren es wirtschaftliche Gründe und vor allem Arbeitslosigkeit, warum man die Heimat verließ. Manchmal trieb auch die pure Abenteuerlust in die Ferne.
Die lange Gangway geht es hinauf aufs Schiff, die Kaje zu Füßen. Ein letzter Blick hinab zu Freunden und Verwandten, vor der Reise in eine ungewisse Zukunft. Maschinen stampfen, der Boden schwankt, beim Blick durch das Bullauge stellen sich leichte Gleichgewichtsstörungen und in den engen Schlafsälen der 3. Klasse Beklemmungen ein.
Der Rundgang führt durch original gestaltete Schlaf- und Speisesäle unterschiedlicher Schiffstypen, zeigt Maschinenraum, Bad, Toilette und enge Kojen, grob aus Holz gezimmert. Überall sind Dokumente, Berichte, Briefe und Tagebuchnotizen zu lesen oder akustisch abzurufen, die die Überfahrt aus Sicht der "kleinen Leute" illustrieren.
Erst in Ellis Island, auf der "Insel der Tränen" kurz vor New York, entscheidet sich, wer bleiben darf und wer nicht, wer medizinische Untersuchung und Befragung der Inspektoren erfolgreich übersteht. Ob man es selbst geschafft hätte? Originalfragen laden zu einem Test ein.
16,5 Millionen Menschen mussten von 1892 bis 1924 allein in Ellis Island die Einwanderungsprozeduren über sich ergehen lassen. Gut, wer Verwandte oder Freunde in den USA hatte, die seit der Einführung des "Quota Act" zur Eindämmung der Einwandererzahlen für die Neuankömmlinge bürgen konnten.
Der Gang durch das Auswandererhaus in Bremerhaven ist eine kleine Reise in authentischen Kulissen, die sinnlich erlebbar machen, wie sich Menschen im 19. und 20. Jahrhundert gefühlt haben müssen als sie ihre Heimat verließen. Nicht alle haben in der Neuen Welt ihr Glück gemacht, aber für viele wurden Märchen wahr.
Biografien und eine Fülle zusätzlicher Informationen sind im "Buch zum Deutschen Auswandererhaus" nachzulesen. Und wer der eigenen Familiengeschichte auf die Spur kommen möchte, kann im "Forum Migration" in genealogischen Datenbanken recherchieren.